Bootstrapping – 10 Tipps, um ohne fremdes Startkapital zu gründen

Bootstrapping
 

Du möchtest Dich selbständig machen, aber Du hast nur beschränkte eigene Geldmittel? Und die Bank möchte Dir – aus welchen Gründen auch immer – keinen Kredit geben oder Du magst es einfach nicht, Schulden zu machen? Was auf den ersten Blick vielleicht sehr schwierig aussieht, muss jedoch nicht zwingend ein Hindernis sein. Und auf längere Sicht kann sich dieser Umstand sogar als sehr vorteilhaft für Dich erweisen!

Die Lösung, die Dir dies ermöglicht, wird als Bootstrapping bezeichnet. Hierbei geht es darum, dass Du erst einmal eine ganz minimale „Basisversion“ Deiner Geschäftsidee entwickelst, hiermit möglichst zügig die ersten, kleinen Gewinne erwirtschaftest und diese Gewinne dann nutzt, um Dein Business auszubauen, indem Du möglicherweise nach und nach weitere Produkt-Features oder -Varianten ergänzt, mit ausgefeilterem Marketing andere Kunden ansprichst oder bestimmte Tätigkeiten an externe Dienstleister delegierst. Beim Bootstrapping geht’s also darum, Dein Business mit den eigenen, selbst erwirtschafteten Mitteln wachsen zu lassen.

Bootstrapping

Dieses Vorgehen hat folgende, aus meiner Sicht unschlagbare Vorteile:

  • Du merkst sehr schnell, ob Du mit Deiner Idee erfolgreich bist. Und wenn nicht, hast Du nur wenig Geld verbrannt ohne dafür verschuldet zu sein, kannst aus den Resultaten lernen und sehr schnell mit einem verbesserten Ansatz einen neuen Versuch starten.

  • Du bist gezwungen, Deinen Fokus wirklich auf diejenigen Eigenschaften Deines Produktes zu richten (hierbei ist es übrigens völlig egal, ob es bei Deiner Idee um ein physisches Produkt geht oder eine Dienstleistung), die aus Sicht Deiner Kunden einen echten Unterschied machen und ihnen einen spürbaren Mehrwert bringen. Du findest heraus, was für sie wirklich wichtig ist und was lediglich unnötigen „Schmuck am Nachthemd“ darstellt.

  • Du lernst dadurch die Bedürfnisse Deiner Zielgruppe in kürzester Zeit sehr gut kennen und baust einen engen Kontakt zu Deinen Kunden auf. Dies wird beim späteren Ausbau Deines Business ein unbezahlbarer Vorteil für Dich sein.

  • Du lernst von Anfang an, mit Deinen Ressourcen sparsam umzugehen und auf Unnötiges zu verzichten. Du wirst also vielleicht Deine Website zunächst einmal selbst entwickeln, auf aufwändig designtes Briefpapier verzichten und noch eine Weile mit Deinem alten Polo anstelle eines schicken Geschäftswagens durch die Gegend fahren. Aber Du erfährst, wozu Du selber mit Deiner Arbeitskraft, Deiner Kreativität und Deinem Ideenreichtum alles in der Lage bist.

Hier nun die versprochenen 10 Tipps, damit der Bootstrapping-Ansatz auch funktioniert:

1. Lerne Deinen Markt und Deine Wettbewerber genau kennen

Bevor Du Deine Produkt tatsächlich entwickelst, lerne unbedingt zunächst das Umfeld ganz genau kennen, in dem Du Dich mit Deinem Business bewegen wirst. Welche Mitbewerber gibt es? Was bieten sie an? Was sind die Verkaufsargumente ihrer Produkte? Was fehlt diesen Produkten noch bzw. was wollen Deine Zielkunden wirklich? Wie kannst Du Dich also mit Deinem Produkt und mit Deiner Art, mit Deinen Kunden in Kontakt zu treten, positiv von Deinen Mitbewerbern abheben? Gibt es innerhalb Deiner Zielgruppe möglicherweise ein bestimmtes Segment, auf das Du Dich zunächst konzentrieren solltest? (Lies hierzu unbedingt den Artikel „Weshalb Spezialisierung gerade für Gründer wichtig ist“!)

2. Entwickle ein Geschäftsmodell, das schnell erste Einnahmen ermöglicht

Wenn Du Dich bei Deinem Weg in die Selbständigkeit für einen Bootstrapping-Ansatz entscheidest, ist es essenziell, dass Du möglichst schnell erste Einnahmen generierst. Anderenfalls ist Dein Startup schneller Geschichte, als Du schauen kannst.
Folgende Ideen und Ansätze werden Dir dabei helfen, zu solch zügigen ersten Einnahmen zu kommen: Beschränke Dich zunächst auf ein sehr überschaubares Kernangebot, das Du zügig entwickeln und anbieten kannst. Gegebenenfalls kannst Du sogar bereits erste Produkte vorab (mit entsprechendem Rabatt) verkaufen, während Du sie noch entwickelst. Sprich zunächst diejenigen Zielkunden an, die Du einfach erreichen kannst und von denen Du annehmen kannst, dass sie eine schnelle Kaufentscheidung treffen werden. Sprich mit Deinen Zielkunden, um ihre wirklichen Bedürfnisse kennenzulernen und dann Dein Geschäftsmodell hieran auszurichten (mehr hierzu kannst Du auf Business-Kickstarter in der Artikelserie „So entwickelst Du Dein Geschäftsmodell“ lesen).

3. Kümmere Dich selber um Dein Marketing

Der Marketing-Bereich ist einer jener schwarzen Löcher in Unternehmen jeglicher Größe, in denen man problemlos beliebig große Geldbeträge auf Nimmerwiedersehen versenken kann. Andererseits müssen es gerade für ein neu gegründetes Business meist nicht die großformatigen Hochglanzanzeigen sein. Social Media bietet sehr kostengünstige Alternativen, die man auch selbst auf die Beine stellen kann.
Und falls für Dich doch die Einbeziehung konventioneller Medienformate sinnvoll ist: Journalisten sprechen viel lieber persönlich mit Gründern, die enthusiastisch von ihrer Geschäftsidee und von ihren Ziele erzählen, als mit gelackten Vertretern teurer PR-Firmen. Auf diese Weise kannst Du also womöglich sehr effektive Werbung erhalten, die Dich keinen Cent kostet.

4. Sorge dafür, dass Deine ersten Kunden begeistert sind

Unterschätze niemals den Wert von Kunden, die von Deiner Arbeit bzw. von Deinem Produkt begeistert sind! – Nicht nur zufrieden, sondern wirklich begeistert! Ohne dass Du sie darum bitten musst, werden sie Dich und Dein Produkt ihren Freunden weiterempfehlen. Aber natürlich kannst Du sie dann zusätzlich auch ganz direkt fragen: „Es freut mich, dass Du so zufrieden bist, lieber Kunde. Fallen Dir denn noch weitere Menschen in Deinem Umfeld ein, für die mein Produkt ebenfalls interessant sein könnte?“ Außerdem ist es sehr einfach, einen begeisterten Kunden um ein Testimonial zu Deinem Produkt zu bitten, das Du dann auf Deiner Website nutzen kannst.

5. Habe keine Angst davor, dass sich Deine Website erst mit Deinem Business entwickelt

Bestimmt hast Du auch schon Webseiten von Startups gesehen, die eine wahre Augenweide sind – richtig stylisch, cool und professionell. Eine solche professionell erstellte Webseite kostet jedoch in der Regel mehrere tausend Euro. Wenn Du bei knappem Budget ebenso vorgehst, wirst Du vielleicht mit einer wirklich geilen Homepage dastehen, hast dann aber leider kein Geld mehr, um diese Website anschließend zu bewerben (glaub’ nicht, dass alleine mit Google’s Unterstützung Scharen von Interessenten zu Dir finden werden – dafür braucht’s meistens noch etwas zusätzliche Starthilfe).
Erstelle Deine erste Website also lieber mittels kostenloser Tools (und wenn Du dies nicht selber machen willst, sondern outsourcest, sollte Dich dies in der Regel nur wenige hundert Euro kosten). So hast Du noch Geld übrig für die notwendige Starthilfe zum Bewerben Deiner Homepage. Und wenn Du später wirklich erste Gewinne machst und feststellst, dass Du mit Deiner Geschäftsidee auf dem richtigen Weg bist, kannst Du Deinen Internetauftritt gemeinsam mit Deinem Business wachsen lassen.

6. Entwickle kreative und ungewöhnliche Marketing-Kampagnen

Dass Marketing-Kampagnen beliebig teuer werden können, habe ich oben schon erwähnt. Mit ein wenig Köpfchen und Kreativität geht’s allerdings auch sehr viel günstiger. Bestimmt hast Du bei YouTube auch bereits kleine Werbeclips gesehen, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen und überraschenden Machart über Facebook, Twitter und Co. von begeisterten Betrachtern wie ein Virus verbreitet wurden. Ein solches virales Marketing ist übrigens nicht nur mit Filmen möglich, sondern kann auch mit Bildern gelingen.

7. Halte alle Deine Ausgaben schriftlich fest

Wenn man in die Selbständigkeit startet, scheint einem das Geld anfangs wie Sand durch die Finger zu rinnen. Halte daher von Anfang an alle Deine Business-bezogenen Ausgaben in einer einfachen und unkomplizierten Buchhaltung fest. Ideal hier ist eine preisgünstige Buchhaltungssoftware, aber auch eine selbstgestrickte Excel-Lösung ist schon viel wert. Wichtig ist einfach, dass Du stets einen Überblick behältst, wie viel Geld Dir noch zur Verfügung steht und wohin das bereits ausgegebene Geld geflossen ist.

8. Schränke Deine persönlichen Ausgaben soweit wie möglich ein

Bei einer auf dem Bootstrapping-Ansatz basierenden Gründung musst Du damit leben, dass Dir anfangs kein festes und regelmäßiges Gehalt zufließt, von dem Du Deinen Lebensunterhalt bequem bestreiten kannst. Dies solltest Du Dir zu Beginn bewusst machen, und Du solltest bereit sein, für eine gewisse Zeit auf nicht wirklich lebensnotwendige Ausgaben und Bequemlichkeiten zu verzichten. Finde also Wege, insbesondere Deine regelmäßigen (wiederkehrenden) Ausgaben zu reduzieren oder sogar gewisse Ausgabenblöcke ganz zu eliminieren.
Ersetze beispielsweise Dein Auto durch einen Vertrag mit einem Carsharing-Anbieter in Deiner Nähe. Vermiete ein Zimmer Deiner Wohnung an einen Untermieter oder biete das Zimmer bei Airbnb an. Und muss es wirklich täglich der Caffè Latte von Starbucks für 4 Euro sein oder tut’s vielleicht auch der Selbstgebrühte?

9. Übernimm anfangs möglichst viele Tätigkeiten selber

Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob Du eine Tätigkeit, die bei Deiner Gründung zu erledigen ist, nicht tun kannst oder ob Du sie nicht tun möchtest. Wenn eine solche notwendige Aufgabe ganz spezielle Fertigkeiten erfordert, über die Du schlicht nicht verfügst, dann zögere selbstverständlich nicht, jemand anderen hiermit zu beauftragen. Wenn Du dies aber auch mit Aufgaben tust, die Dir lediglich unangenehm oder lästig sind, dann erzeugst Du so unnötige Ausgaben. Und dies solltest Du beim Bootstrappen unbedingt vermeiden. Ansonsten kann es Dir passieren, dass Du Dir schneller einen Platz in den Geschichtsbüchern der aus Bequemlichkeit gescheiterten Gründer sicherst, als Dir lieb ist.

10. Sei hartnäckig und gib nicht auf

Wenn Du damit beginnst, Dich selbständig zu machen, gibt es zunächst einmal vermutlich eine Menge Herausforderungen und Hindernisse. Es wird vielleicht nicht einfach sein, die richtigen Kooperationspartner oder Lieferanten zu finden. Und Dir das Vertrauen Deiner ersten Kunden zu erarbeiten, wird ganz sicher harte Arbeit erfordern. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass Du dabei auch Absagen erhältst und viele „Nein’s“ zu hören bekommst. Rechne damit und gib dann nicht auf! Zweifle nicht an Dir! Nimm diese Hindernisse und Absagen nicht persönlich! Sie sind lediglich ein Teil des Spiels, der eben einfach geschieht. Der andere Teil, das sind die Erfolge, die Du mit der Zeit immer häufiger erleben wirst, und das persönliche Wachstum, das Du erfahren wirst. Darum sei und bleibe hartnäckig und verlier’ Deinen Traum und Dein Ziel nicht aus den Augen!

Fazit

Viel mehr Geschäftsideen, als Du vielleicht meinst, ermöglichen es, mit wenig oder ohne Kapital von Kreditgebern zu gründen. Natürlich wird es eine Herausforderung sein, Dein Geschäft bei Null beginnend aufzubauen und nach und nach auf finanziell solide Füße zu stellen. Aber zugleich schult es wie kaum ein anderer Ansatz Dein betriebswirtschaftliches Denken und Deinen Blick für’s Wesentliche. Und für Deinen langfristigen Erfolg als Selbständiger sind das die denkbar besten Voraussetzungen.

(PS: Falls es Dir keine Ruhe lässt, woher der Begriff „Bootstrapping“ eigentlich kommt, hier abschließend die Erklärung: Im Englischen gibt es die Redensart „pull oneself over a fence by one’s bootstraps“, auf Deutsch also etwa „sich selbst an den Stiefelriemen über den Zaun heben“, was sinngemäß der bei uns gängigen Formulierung „sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen“ entspricht. – Nun wirst Du also, falls Du heute Nacht nicht einschlafen kannst, hoffentlich nicht über den Begriff „Bootstrapping“ nachdenken, sondern eher darüber, wie Du diesen spannenden Ansatz für Dich nutzen kannst ;-).)

Entschuldigung, Kommentare zu diesem Artikel sind nicht möglich.

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